Interview mit Stefan Friedrichs, Projektleiter bei der Bertelsmann Stiftung politik-digital.de: Wie bewerten Sie die beiden Konzepte von bund.de und deutschland.de im Vergleich?
Stefan Friedrichs: Die beiden Portale werden voraussichtlich in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Staat, Sport und Kultur zahlreiche Überschneidungen aufweisen. Hier kommt es wieder einmal zur Neuerfindung des Rades. Eine beispielhafte Stärke von deutschland.de wird die Sprachenvielfalt sein. Dem Nutzer soll das Portal voraussichtlich in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch zu Verfügung stehen. Bei bund.de gibt es derzeit nur die Möglichkeit einer eingeschränkten Verfügbarkeit einiger Inhalte in Englisch. Das laut Presseberichten im September 2002 an den Start gehende Portal deutschland.de ist ein vom Presse-und Informationsamt der Bundesregierung initiiertes Projekt und wird von ARGE deutschland.de entwickelt und betrieben. Die ARGE deutschland.de ist eine Kooperation der Ponton-Lab GmbH und T-Systems. Die Vorabversion der Homepage des Deutschland-Portals enthält derzeit nur zwei Pressemitteilungen.
Das Portal bund.de verfügt trotz der teilweise unstrukturierten Beiträge bereits über ein breites Fundament an Nutzern. Da der Bekanntheitsgrad ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Webpräsenz ist, besitzt das Bundesportal hier Vorteile gegenüber deutschland.de.
Eine Vielzahl von Portalen bedeutet darüber hinaus einen deutlich erhöhten Investitionsbedarf. Doppelinvestitionen in Technik, Datenpflege, Informationsrecherche und insbesondere das effektive Marketing verschlingen gleich an zwei Stellen Steuergelder.
politik-digital.de: Haben Sie schon einmal was von bundesrepublik.org gehört?
Stefan Friedrichs: Das Portal bundesrepublik.org wird von privatinitiativen Akteuren betrieben. Inhaltlich enthält es zahlreiche Überschneidungen mit dem Portal bund.de. In einigen Bereichen geht das Informationsangebot über das von bund.de hinaus. Hier wäre ein Ansatzpunkt zu einer eventuellen Zusammenarbeit. Wie sein staatliches Pendant weist jedoch auch bundesrepublik.org technische Mängel auf. Eine bisher nur mangelhaft funktionierende Suchmaschine ist nur ein Beispiel. Weiter ist auch bundesrepublik. org, obwohl es "von Bürgern für Bürger" entwickelt wurde, wenig auf die Wünsche der Nutzer zugeschnitten. Eine konsequente Orientierung am Lebenslagenprinzip findet nicht statt. Vielmehr gleicht das Portal einer Aneinanderreihung von Informationen durch gezielte Verlinkung.
politik-digital.de: Was, glauben Sie, passiert nach einem eventuellen Regierungswechsel?
Stefan Friedrichs: Die großen Volksparteien nutzen das Internet aktiv als Wahlkampfmittel. Hier werden Mitglieder mobilisiert und versucht neue Mitglieder zu werben. Selbst SMS, elektronische Grußkarten und virtuelle Animationen sind neben der Möglichkeit zur Information und Kommunikation heutzutage keine Seltenheit mehr. Inwieweit sich dieses technologische Engagement der Parteien in Zeiten des Wahlkampfes ebenfalls auf deren e-Government-Bemühungen auswirkt ist derzeit unklar. Zentrales Handlungsfeld einer neuen Bundesregierung sollte auf jeden Fall in der Unterstützung und Koordination der Daten- und Kommunikationsstandrads sowie dem Ausbau der Kooperationsstrukturen zwischen Bund, Ländern und Kommunen liegen. Auch durch den Ausbau der Kooperation der einzelnen Bundesministerien (wie bereits im Masterplan BundOnline2005 angelegt) können zukünftig weitere Synergiepotentiale hinsichtlich attraktiver Inhalte und Finanzierungsmittel genutzt werden. Nur so kann zukünftig für Bürger relevanter Content in einem prominent platzierten und beworbenen Portal auf Bundesebene dargestellt und verknüpft werden.
politik-digital.de: Von welchen Vorbildern im Ausland könnten die deutschen Portale lernen?
Stefan Friedrichs: Von den besten lernen, ist eines der Erfolgsrezepte denen sich auch die Bertelsmann Stiftung in ihren Projekten widmet. Im Bereich des e-Government trägt unter anderem die Studie "BEGIX" dazu bei, dass hoheitliche Akteure und Entscheider von internationalen best practice Lösungen lernen können. Eine Modifizierung der deutschen Portale sollte sich deutlicher an den Bedürfnissen der Bürger orientieren. Internationalen Vorbildcharakter besitzt hier das kanadische Portal, bei welchem vorab die verschiedenen Nutzergruppen nach ihren Erwartungen befragt wurden. Weiter ist eine stärkere Integration von in der Hierarchie untergeordneten staatlichen Institutionen zu forcieren. Dies ist schon allein unter dem Gesichtspunkt eines Corporate Designs zu befürworten. Als Orientierungshilfe könnte hier UK online dienen. Zudem ist zu hinterfragen, ob es tatsächlich von Vorteil ist, zwei bzw. drei deutsche Portale gleichzeitig zu betreiben. Dies kann eine Irritierung der Nutzer mit sich bringen.
Um die Angebote der staatlichen Portale auch klar mit den Anspruchsgruppen zu kommunizieren, ist die Implementierung einer Marketinginstanz empfehlenswert. Während beispielsweise in der Schweiz an beinahe allen Autobahnausfahrten auf die staatlichen Webseiten hingewiesen wird, werden in Deutschland die staatlichen Online-Angebote in einschlägigen Veranstaltungen vor einem Fachpublikum (den sogenannten "üblichen Verdächtigen") präsentiert.
Quelle: Politik-Digital
Stefan Friedrichs: Die beiden Portale werden voraussichtlich in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Staat, Sport und Kultur zahlreiche Überschneidungen aufweisen. Hier kommt es wieder einmal zur Neuerfindung des Rades. Eine beispielhafte Stärke von deutschland.de wird die Sprachenvielfalt sein. Dem Nutzer soll das Portal voraussichtlich in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch zu Verfügung stehen. Bei bund.de gibt es derzeit nur die Möglichkeit einer eingeschränkten Verfügbarkeit einiger Inhalte in Englisch. Das laut Presseberichten im September 2002 an den Start gehende Portal deutschland.de ist ein vom Presse-und Informationsamt der Bundesregierung initiiertes Projekt und wird von ARGE deutschland.de entwickelt und betrieben. Die ARGE deutschland.de ist eine Kooperation der Ponton-Lab GmbH und T-Systems. Die Vorabversion der Homepage des Deutschland-Portals enthält derzeit nur zwei Pressemitteilungen.
Das Portal bund.de verfügt trotz der teilweise unstrukturierten Beiträge bereits über ein breites Fundament an Nutzern. Da der Bekanntheitsgrad ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Webpräsenz ist, besitzt das Bundesportal hier Vorteile gegenüber deutschland.de.
Eine Vielzahl von Portalen bedeutet darüber hinaus einen deutlich erhöhten Investitionsbedarf. Doppelinvestitionen in Technik, Datenpflege, Informationsrecherche und insbesondere das effektive Marketing verschlingen gleich an zwei Stellen Steuergelder.
politik-digital.de: Haben Sie schon einmal was von bundesrepublik.org gehört?
Stefan Friedrichs: Das Portal bundesrepublik.org wird von privatinitiativen Akteuren betrieben. Inhaltlich enthält es zahlreiche Überschneidungen mit dem Portal bund.de. In einigen Bereichen geht das Informationsangebot über das von bund.de hinaus. Hier wäre ein Ansatzpunkt zu einer eventuellen Zusammenarbeit. Wie sein staatliches Pendant weist jedoch auch bundesrepublik.org technische Mängel auf. Eine bisher nur mangelhaft funktionierende Suchmaschine ist nur ein Beispiel. Weiter ist auch bundesrepublik. org, obwohl es "von Bürgern für Bürger" entwickelt wurde, wenig auf die Wünsche der Nutzer zugeschnitten. Eine konsequente Orientierung am Lebenslagenprinzip findet nicht statt. Vielmehr gleicht das Portal einer Aneinanderreihung von Informationen durch gezielte Verlinkung.
politik-digital.de: Was, glauben Sie, passiert nach einem eventuellen Regierungswechsel?
Stefan Friedrichs: Die großen Volksparteien nutzen das Internet aktiv als Wahlkampfmittel. Hier werden Mitglieder mobilisiert und versucht neue Mitglieder zu werben. Selbst SMS, elektronische Grußkarten und virtuelle Animationen sind neben der Möglichkeit zur Information und Kommunikation heutzutage keine Seltenheit mehr. Inwieweit sich dieses technologische Engagement der Parteien in Zeiten des Wahlkampfes ebenfalls auf deren e-Government-Bemühungen auswirkt ist derzeit unklar. Zentrales Handlungsfeld einer neuen Bundesregierung sollte auf jeden Fall in der Unterstützung und Koordination der Daten- und Kommunikationsstandrads sowie dem Ausbau der Kooperationsstrukturen zwischen Bund, Ländern und Kommunen liegen. Auch durch den Ausbau der Kooperation der einzelnen Bundesministerien (wie bereits im Masterplan BundOnline2005 angelegt) können zukünftig weitere Synergiepotentiale hinsichtlich attraktiver Inhalte und Finanzierungsmittel genutzt werden. Nur so kann zukünftig für Bürger relevanter Content in einem prominent platzierten und beworbenen Portal auf Bundesebene dargestellt und verknüpft werden.
politik-digital.de: Von welchen Vorbildern im Ausland könnten die deutschen Portale lernen?
Stefan Friedrichs: Von den besten lernen, ist eines der Erfolgsrezepte denen sich auch die Bertelsmann Stiftung in ihren Projekten widmet. Im Bereich des e-Government trägt unter anderem die Studie "BEGIX" dazu bei, dass hoheitliche Akteure und Entscheider von internationalen best practice Lösungen lernen können. Eine Modifizierung der deutschen Portale sollte sich deutlicher an den Bedürfnissen der Bürger orientieren. Internationalen Vorbildcharakter besitzt hier das kanadische Portal, bei welchem vorab die verschiedenen Nutzergruppen nach ihren Erwartungen befragt wurden. Weiter ist eine stärkere Integration von in der Hierarchie untergeordneten staatlichen Institutionen zu forcieren. Dies ist schon allein unter dem Gesichtspunkt eines Corporate Designs zu befürworten. Als Orientierungshilfe könnte hier UK online dienen. Zudem ist zu hinterfragen, ob es tatsächlich von Vorteil ist, zwei bzw. drei deutsche Portale gleichzeitig zu betreiben. Dies kann eine Irritierung der Nutzer mit sich bringen.
Um die Angebote der staatlichen Portale auch klar mit den Anspruchsgruppen zu kommunizieren, ist die Implementierung einer Marketinginstanz empfehlenswert. Während beispielsweise in der Schweiz an beinahe allen Autobahnausfahrten auf die staatlichen Webseiten hingewiesen wird, werden in Deutschland die staatlichen Online-Angebote in einschlägigen Veranstaltungen vor einem Fachpublikum (den sogenannten "üblichen Verdächtigen") präsentiert.
Quelle: Politik-Digital
