Das erklärte Reinhard Posch, Chief Information Officer [CIO] des Bundes, bei einem Pressegespräch des Verbandes Österreichischer Software Industrie [VÖSI] am Donnerstagabend.
OS sei in der Verwaltung auch deshalb von Bedeutung, um jederzeit wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren zu können, "denn in fünf Jahren verlangt die Welt wieder ganz etwas anderes", so Posch.
Der IKT-Board des Bundes hat empfohlen, in Hinkunft bei der Anschaffung von Servern sicherzustellen, dass diese auch unter Linux betrieben werden können. Laut IKT-Board sollen alle für das E-Government verwendeten Formate und Protokolle zur Gänze und in allen Varianten im Sinne eines Open Interface veröffentlicht werden. "Monopol und behindernde Lizenz-Situationen sind in diesem Bereich auf alle Fälle zu vermeiden", so Posch.
Verband der Österreichischen Software Industrie
Microsoft hat nichts gegen OS
Im Bereich der Arbeitsstationen verhält sich Österreich laut Posch noch zuwartend, da die Funktionen, die derzeit vor allem im Bereich der abteilungsorientierten Kommunikation erwünscht werden, nicht hinreichend auf der Workstation-Seite in Open Source verfügbar sind.
Microsoft-Sprecher Thomas Lutz sieht durch OS allerdings das "Software-Ökosystem" gefährdet, da ohne Schutz des geistigen Eigentums und ohne exklusive Verwertungsrechte der Anreiz zu weiteren Innovationen entfalle.
"Microsoft hat nichts gegen die OS-Community. Speziell seit der Übernahme von Suse durch Novell wurde sichtbar, dass kommerzielle Player in den USA ein Oligopol gebildet haben, das nichts mit der OS-Basisbewegung zu tun hat", so Lutz.
Novell hatte erst am Dienstag angekündigt, die deutsche Suse Linux AG für 210 Millionen USD [181 Mio. Euro] zu übernehmen.
Das E-Government-Gesetz hat letzte Woche den Ministerrat passiert. Eine Reihe von Behördenwegen soll damit ab dem nächsten Jahr online erledigt werden können und ab 2008 alle Behördenangelegenheiten.
Ein "Vorzeigegesetz" zum E-Government
Wien prüft Umstieg
Die Stadt Wien prüft unterdessen auf Antrag der Grünen den mittelfristigen Umstieg auf quelloffene Windows-Alternativen. Der Prüfbericht soll bis Mitte 2004 verliegen.
Nur ein Umstieg kann laut den Grünen die Softwarevielfalt gegen das Quasi-Monopol von Microsoft sichern. Weiters komme die offene Software nicht nur in der Anschaffung, sondern auch langfristig im laufenden Betrieb günstiger. Als Zeitpunkt für eine eventuelle Umstellung auf Linux gibt die Stadt Wien jedoch erst 2007 an.
Donatus Schmid, Geschäftsführer von Sun Microsystems, entgegnete unterdessen den Vorbehalten von Microsoft gegen eine General Public License [GPL], dass es auch Less GPL gäbe, womit beispielsweise Openoffice als Staroffice durchaus verkauft werden könne.
Stadt Wien prüft Umstieg auf Open Source
Vorstoß aus Dänemark
Ein aktueller Bericht zu den Potenzialen von Open-Source-Software im öffentlichen Sektor, der im Auftrag der dänischen Regierung erstellt wurde, bestätigt einerseits die "üblichen" Argumente der Open-Source-Befürworter, geht aber noch weit darüber hinaus:
Demnach sollten Regierungen eine aktive Rolle bei der weiteren Etablierung freier Software spielen, um den Software-Markt vor Monopolen zu bewahren, und außerdem bei ihren E-Government-Strategien Open Source berücksichtigen, um den allgemeinen Zugang zu Verwaltungsinformationen nicht von einem oder wenigen kommerziellen Produkten abhängig zu machen.
Open-Source-Einsatz als Anti-Monopolpolitik
Quelle: futureZone, 07.11.2003
