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Friday, 30.01.2026
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Kopenhagen hat das beste Stadtportal Europas. Die dänische Hauptstadt erhielt am Donnerstag in Wien für ihren Internetauftritt den ersten European E-City Award. Auf den vorderen Plätzen landeten auch die Internetauftritte mehrerer deutscher Städte. Unter 130 Städten aus 29 Ländern setzte sich Kopenhagen in der Gesamtwertung sowie in der Unterkategorie "Bürger" durch. Diese bildet mit den Unterkategorien "Unternehmen" und "Touristen" den Kern der ersten Benchmarkstudie europäischer Stadtportale. In der Gesamtwertung folgen Berlin, Stuttgart, Bremen und Hamburg auf den Plätzen. Auf den hinteren Rängen landeten die Webauftritte von Zagreb, Ljubljana, Bukarest und Schlusslicht Skopje.

Für Projektleiter Andreas Zelles von der Unternehmensberatung Eckart & Partner aus Ottobrunn schneiden viele Städte schlecht ab: "Der Bedarf der Zielgruppen wird insgesamt nur zu einem sehr geringen Teil erfüllt." Allerdings sei der Katalog der insgesamt 1078 Kriterien sehr anspruchsvoll. Im Ergebnis zeigt sich in der Qualität der kommunalen Internetauftritte ein deutliches Gefälle von Nord- nach Südeuropa und von West- nach Osteuropa.

Weltstädte erreichen im Internet kein Weltniveau

Wer aber von Weltstädten auch Weltniveau erwartet, wird überrascht: "Große Städte wie Paris, London oder Rom haben nicht die größeren, besseren oder innovativeren Portale", sagt Christian Blümelhuber vom konzeptionell verantwortlichen Marketinginstitut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Rom etwa listet auf der Startseite mehr als 100 Links auf - das viel besser beurteilte Leipzig lotst die virtuellen Besucher erst einmal in die passende von drei Kategorien.

Zu wenige Städte orientieren sich in ihrem Angebot an den Bedürfnissen der Nutzer - ein Fehler, wenn ein Stadtportal zur Marke und zentralen Anlaufstelle werden soll. "Das Markenerlebnis fängt schon bei der Adresse an", sagt Blümelhuber. Pech hat etwa, wer Valencia unter www.valencia.es vermutet. So könnten Portale, die nach Ansicht Zelles im Stadtmarketing eine "entscheidende Rolle" spielen, ihr Potenzial gar nicht erst entfalten.

"Best practice" für das innovativste Portal

Die Studie soll einen Wettbewerb um das innovativste Stadtportal initiieren. Daher erhalten jene Städte den Preis "Best practice", die mit besonderen Tools auf die Wünsche der Internetsurfer eingehen. Das finnische Tampere etwa bietet einen Wegweiser für Zugezogene, Linz in Österreich ein gut zu durchforstendes Firmenverzeichnis und Gent als nahezu einzige Stadt eigens aufbereitete Module für Blinde. Für viele Städte sind solche Leistungen angesichts knapper Kassen offenbar Luxus: "Ich sehe schon die Tendenz, alles auf das Nötigste zusammenzustreichen", sagt Berater Zelles.

Tatsächlich ist der Nutzen eines Stadtportals - angelockte Touristen, zuziehende Firmen - schwer messbar. Dennoch: "Die guten Portale wandeln sich von Informations- zu Transaktionsportalen", sagt Marketingexperte Blümelhuber. Neue Einnahmen sollen sich so generieren, Verwaltungskosten durch das ausbaufähige, weil insgesamt noch schwache E-Government einsparen lassen.

Wichtig sind kommerzielle Partner wie Verlage, die gesonderte Rubriken betreuen, einen Teil der Kosten tragen und selbst vom Nutzerstrom profitieren. So arbeiten Hamburg, Berlin oder Aarhus bereits mit Unternehmen zusammen. Auch Kooperationen mit anderen Städten sind denkbar. Innovative Konzepte sind gefragt, und darüber können sich die Stadtoberen schon bald wieder austauschen: Künftig sollen die Awards jährlich verliehen, die Veranstaltung in Wien zur Konferenz ausgebaut werden.

Autor: Arne Storn

Quelle: Financial Times Deutschland, 05.09.2002

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