Today 449

Yesterday 3028

All 60159902

Saturday, 28.02.2026
Transforming Government since 2001
Einsparungspotenzial von mindestens 100 Mio. Euro jährlich

Der flächendeckende Ausbau der Telemedizin in Deutschland kostet in den kommenden fünf Jahren mindestens 700 Mio. Euro. Zu diesem Schluss kommt der Telematik-Experte Claus-Werner Brill von der deutschen Bundesvereinigung der Apothekerverbände beim Symposium des Instituts für Telematik in Trier. Ziel ist eine einheitliche und universelle Telematik-Plattform, die die Übertragung medizinischer Bilder, Befunde und Berichte ermöglicht. Allein dies würde jährlich für Einsparungen von rund 100 Mio. Euro sorgen, so der Experte. Christoph Meinel, Symposiumsleiter und Institutsdirektor, ist der Auffasung, dass die Möglichkeiten der Telemedizin in Deutschland bisher nur in Ansätzen ausgeschöpft würden. Viele stecken nach Ansicht des Experten in Pilotprojekten. "Dringend erforderlich für den Durchbruch der Telemedizin ist ein koordiniertes, schrittweises Vorgehen in der Gesundheitspolitik, ein Ende des babylonischen Gewirrs von Hard- und Softwarestandards und vertrauenswürdige, sichere Informationsverarbeitung", so Meinel. Letzteres sei entscheidend für die Akzeptanz der technischen Möglichkeiten. Um Telemedizin in ganz Europa flächendeckend auszubauen und einzuführen, seien sicher Milliarden-Investitionen erforderlich. "Der Nutzen liegt in einem riesigen Einsparungspotenzial bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung in der medizinischen Versorgung", so Meinel.

Nach einer vom Institut für Telematik durchgeführten Studie, lasse der lebensrettende Einsatz telemedizinischer Technik in den Krankenhäusern noch zu wünschen übrig. Nur ein Drittel der Kliniken nutze zum Beispiel die Möglichkeiten der schnellen Übermittlung medizinischer Bilder. Meistens würden Röntgen-, Tomographie- oder Ultraschallaufnahmen noch mit "Snail-Mail" oder per Boten zwischen den Spezialisten hin- und hergeschickt, so Meinel. Obwohl in vielen Krankenhäusern die technischen Voraussetzungen gegeben sind, mangelt es meist an der Ausbildung des Personals, kritisiert der Fachmann. Darüber hinaus müsse bei der Telemedizin auch auf den Datenschutz geachtet werden. "Es muss sicher gestellt werden, dass nur befugtes medizinisches Personal die Dateien mit Patienten-Informationen öffnen kann." Dafür seien zum Beispiel intelligente Chipkarten, sogenannte Smartcards, das beste Mittel, erklärt Meinel. Die Sicherheit der Daten zählt zu den wesentlichen Bestrebungen der Fachleute. Die personenbezogenen Daten müssen unter allen Umständen privat bleiben, fordern die Telematik-Experten.

Im kommenden Jahr soll in Deutschland der Einsatz von Internetverbindungen mit Flugzeugen für die medizinische Betreuung erkrankter Passagiere wesentliche Fortschritte bringen. "In Zukunft können dann Gesundheitsdaten von an Bord erkrankten Passagieren zu Ärzten am Boden übermittelt und dort ausgewertet werden", so Thomas Weber vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Pro Jahr ereignen sich rund 3.000 medizinische Zwischenfälle, rund 50 davon sind ernst. "Wenn mit Hilfe der Telemedizin den Flugzeugbesatzungen genaue Anweisungen für Hilfsmaßnahmen gegeben werden könnten, kann das die Zahl außerplanmäßiger Landungen senken", erklärt Weber. Jährlich komme es im Durchschnitt zu mehr als zwei Dutzend Notlandungen aus medizinischen Gründen. Solche außerplanmäßigen Stopps belasteten die Fluggesellschaften jedes Mal mit mehreren zehntausend Euro.

Quelle: Pressetext Deutschland

Go to top