Nach der anfänglichen Euphorie braucht der digitale Austausch zwischen Volk und Verwaltung nun neue Impulse. Im Kongresszentrum trafen sich am Dienstag Anwender und Anbieter, um durch Referate, Workshops und Diskussionen die Zukunft des sogenannten e-Government im Kanton Bern auszuloten.
Noch zu kompliziert
Momentan habe diese Entwicklung noch einen schlechten Ruf, den es abzulegen gelte, so Portmann weiter. Denn obwohl Behörden und Unternehmen immer mehr Administratives online erledigen, fehle oft noch das Angebot für Bürger, direkt aktiv zu werden. Das beste Beispiel hierfür sind der Grossteil der Gemeindesites, welche zwar zahlreiche Auskünfte und PDF-Formulare anbieten, aber für wichtige Vorgänge weiterhin Papier mit Unterschrift benötigen.
Dabei wäre der Hauptvorteil von e-Government die Verfügbarkeit rund um die Uhr und die rasche Verarbeitung einer Eingabe direkt im System. Kommt dazu, dass jede Gemeinde für ihren Internetauftritt selber verantwortlich ist und somit die unterschiedlichsten Angebote entstehen. Das Fehlen einer konsequenten Navigation macht es für erstmalige Besucher der Seite meist sehr schwierig, die gewünschten Informationen schnell zu erhalten - sofern diese überhaupt vorhanden sind.
Rahmenbedingungen schaffen
Eine klare Prioritätensetzung und einheitliche Richtlinien werden für die weitere Entwicklung des e-Government eine grosse Rolle spielen. Darüber waren sich die Teilnehmer des Kongresses einig. Dabei könnte es etwa um Grundlagen der Benutzerfreundlichkeit oder die Umschreibungen des obligatorischen Inhaltes gehen. Nur so könne das enorme Potenzial ausgeschöpft werden, was momentan noch zu wenig der Fall sei.
Einfacher und effizienter
Wie Urs Gasche von der Berner Finanzdirektion hervorhebt, geht es bei diesem Thema nicht nur um die technischen Möglichkeiten, sondern auch um eine Führungsfrage. Im Hinblick auf mehr Onlinepräsenz müssten ganze Ordnungsabläufe bei der Verwaltung hinterfragt werden. Denn ob nun mit oder ohne Internet bleiben die Bedürfnisse die gleichen: ein erleichterter Umgang mit Behörden und somit Zeitgewinn. «Das Volk und die Wirtschaft wollen kurze, rasche Wege und mehr Effizienz», so Gasche.
Obwohl der Bund eine pragmatische und vorsichtige Strategie verfolgt, erhoffen sich die Befürworter von der Politik dennoch positive Signale. Wie das erfolgreiche Modell der Steuererklärung «TaxMe-Online» beweist, wird eine durchdachte Lösung durchaus von der Bevölkerung verwendet und entlastet dadurch die Beamten. Weitere konkrete Beispiele wurden am Kongress präsentiert. So wurden etwa mit einem direkten Beschaffungsauftrag für den Bund, einer Grundstück-Anfrage oder einer Anmeldung zur Fahrprüfung die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Autor(en)/Author(s): rap.
Quelle/Source: Bieler Tagblatt, 16.08.2006
