Capgemini betrachtet in seiner Analyse die Verfügbarkeit von Diensten etwa für das Melde- und Steuerwesen. Die Spanne der Angebote reicht von einfachen Informationdiensten (Download von Broschüren) bis hin zur vollständigen Abwicklung von Transaktionen via Internet. Mitterweile, so das Ergebnis der Untersuchung, sind 47 Prozent aller untersuchten Dienste vollständig Web-fähig, im vergangenen Jahr waren es nur 40 Prozent. Spitzenwerte erreichen hier Schweden und Österreich, die 74 beziehungsweise 72 Prozent der Dienste vollständig via Internet zugänglich machen.
Im Vergleich mit den großen Ländern Europas schneidet Deutschland besonders schlecht ab. Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien sind in ihren E-Government-Bemühungen weiter als die deutschen Ämter, Gensicke wertet dies als Standortnachteil. Auf Augenhöhe mit den großen Ländern sind die Behörden nur dann, wenn ausschließlich die für die Privatwirtschaft bereit gestellten Dienste betrachtet werden. Hier kann Deutschland auf eine Online-Durchdringung von 83 Prozent verweisen, während Capgemini den französischen Behörden hier 84 Prozent, und den britischen Ämtern 82 Prozent bescheinigt.
"Deutschland tut sich aufgrund der föderalen Verwaltung schwer mit dieser Entwicklung", erläuterte Gensicke. "Länder wir Frankreich müssen beispielsweise nur ein Finanzverwaltungssystem einführen, bei uns müssen es 16 sein. Durch die föderale Struktur gibt es viele Abstimmungsrunden, in denen weniger über Inhalte und mehr über die Finanzierung diskutiert wird." Zudem nähern sich die deutschen Ämter dem Online-Zeitalter viel gründlicher, als die öffentliche Hand anderer Länder. "Hier konzentriert man sich schon beim Start auf rechtsverbindliche und medienbruchfreie Transaktionen mit einer qualifizierten Signatur", schildert der Capgemini-Manager. "Andere Länder sind hier etwas moderater."
Autor: (jha)
Quelle: Computerwoche, 08.03.2005
