Schon länger auf 170 Servern der Stadt Wien im Einsatz, wird das Open-Source-Betriebssystem Linux ab dem zweiten Quartal des Jahres auch auf einigen hundert Personal Computern der Gemeindeverwaltung Einzug halten. Der "sanfte" Wiener Weg des Umstiegs
"Die Abteilungen erhalten das Angebot, auf ihren PC anstelle zu dem darauf laufenden Windows und Microsoft Office mit Open-Source-Produkten zu arbeiten", erläutert Erwin Gillich, seit Mitte vergangenen Jahres Leiter der städtischen EDV-Abteilung, den "sanften" Wiener Weg des Umstiegs.
Open Source (OS) bedeutet, dass der Quellcode der jeweiligen Programme offen gelegt wird und so durch andere Benutzer weiterentwickelt werden kann. Für die Benutzung dieser Programme müssen zwar keine Lizenzgebühren gezahlt werden, allerdings entstehen wie bei jeder anderen Software Betriebskosten.
Geringe Kosten und Risiko
"Wir können so mit geringen Kosten und Risiko den Umstieg ausprobieren und lassen dann entscheiden, welches Produkt das bessere ist", so der Wiener IT-Chef. Im Gegensatz zur Stadt München, die ab 2006 komplett auf quelloffene Systeme umsteigen wird, könne - zumindest rein theoretisch - das Ganze wieder eingestellt werden.
17.500 PCs
140 Dienststellen mit 35.000 Mitarbeitern und 17.500 PCs werden von der MA 14 (Magistrat für Informationstechnologie) betreut. 60 Mio. Euro umfasst das Abteilungsbudget (Gesamtbudget der Gemeinde Wien 2005: 9,5 Mrd. Euro), die Hälfte davon wird für die IT-Infrastruktur der Stadtverwaltung aufgewendet. Dazu gehört auch die Betreuung existierender und neuer Services für die Bürger, Stichwort E-Government.
Service von A bis Z
"260 Geschäftsfälle - von der Wiege bis zur Bahre - sind im virtuellen Amt auf der Onlineplattform zugänglich. Rund 50 davon können inklusive Bezahlung komplett elektronisch abgewickelt werden", weist Gillich auf die Arbeit seiner Abteilung in den letzten Jahren hin. Dauerhafte Spitzenreiter sind Grillplatz-und Hundeanmeldung.
Gut positioniert
Im Vergleich zu anderen E-Government-Anbietern - national wie international - sei der Magistrat Wien sehr gut positioniert, ist Gillich überzeugt. Der in den letzten Jahren erreichte Vorsprung auf diesem Gebiet werde aber kontinuierlich kleiner, da konkrete Projekte immer seltener beauftragt würden.
Um längerfristig eine gute Position in diesem für den Wirtschaftsstandort Wien wichtigen Bereich zu behalten, seien in Zukunft jedenfalls wieder vermehrt Investitionen in diesen Sektor nötig, winkt der Wiener IT-Chef den Stadtoberen dezent mit der Lanze des Rathausmanns.
Autor: Karin Tzschentke
Quelle: Der Standard, 19.03.2005
