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Wahrscheinlich muss es so sein: Jede technologische Neuerung wird von den Entwicklern vollmundig als revolutionär angepriesen. Das erschreckt natürlich - beim Thema RFID insbesondere die Datenschützer, die im Gegenschlag ihrerseits mit schrecklichen Horrorszenarien drohen. RFID ist selbstverständlich ein äußerst spannendes Thema - immer noch. Denn den Hype-Höhepunkt haben wir, zumindest soweit es realistische Zeitpläne und umsetzbare Szenarien angeht, im vergangenen Jahr überschritten. Ein Beispiel für die nun etwas abgeklärtere Herangehensweise im Handel lieferte unter anderem die „Big Show“ der National Retail Federation, die im Januar in den USA stattfand. Die verschiedenen Berichte darüber lassen sich ganz einfach auf den Punkt bringen: RFID wird nun ganz pragmatisch angegangen. Das heißt: Die Metro berichtet über die Erfolge und ungelösten Probleme nach hundert Tagen RFID, Tesco zeigt sich zögerlich und Intel betont das weitere Engagement in diesem wichtigen Bereich mit der Ankündigung weiterer Pilotprojekte.

Ähnliches war schon Ende des vergangenen Jahres hier bei uns in Deutschland nach der Tagung „RFID 2005“ zu hören. Die Bilanz der Metro zum Test im Warenverkehr zwischen dem Verteilzentrum in Essen und dem Future Store in Rheinberg: Die Technik sei verbesserungswürdig. Andere, wie aktuell die Fraport AG, berichten von mehr oder weniger beeindruckenden Erfolgen. So wird derzeit die Wartung der 22.000 Brandschutzklappen des Frankfurter Flughafens mit Hilfe von RFID transparent gemacht. Die Wartungsarbeiten könnten nachweisbar gemacht werden und es sei sichtbar, ob ein Fremdtechniker eine bestimmte Klappe tatsächlich in der geforderten Form inspiziert habe. Allerdings hake das Gepäckstück-Handling mittels Funkchips noch an der mangelnden Kooperationsbereitschaft der Airlines, denn mindestens 70 Prozent müssten mitziehen.

Auf der anderen Seite wächst zumindest in den USA bei den Konsumenten die Ablehnung: In der zweiten Welle der RFID Consumer Buzz Studie im Januar 2005 zeigte sich zwar mehr als ein Drittel der Befragten informiert. Nach 28,2 Prozent im vorhergehenden Quartal hatten nun schon 35,5 Prozent einmal von Radio Frequency Identification gehört. Allerdings stimmten nur 44 Prozent der These zu, dass RFID eine „gute Idee“ darstelle - und bei denjenigen, die um den Schutz ihrer persönlichen Daten fürchteten, waren es natürlich noch weniger, nämlich 35 Prozent.

Es wäre erstaunlich, wenn wir hier in Deutschland beim Bedenkenträgertum nicht mithalten könnten. Aktuelles Beispiel: Datenschutzkritik an der Personalisierung der WM-Tickets, die Abmahnungen laufen. Eigentlich könnte an Hand dieses Themas eine wirklich spannende Diskussion um Chancen und Risiken der RFID-Technologie geführt werden. Aber einige mehr oder weniger legitimierte Datenschutzexperten bringen schwere Geschütze in Stellung, die nur auf Meinungsmache abzielen: „Die Fussballweltmeisterschaft wird zu einem Überwachungsgroßprojekt missbraucht, mit dem Fussballfans vollständig kontrollierbar gemacht werden sollen,“ so das „Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein“. Aber ich will mir nicht den Unmut von engagierten Kritikern zuziehen, denn ganz im Vertrauen setze ich darauf, dass sich das Datenschutzproblem mit der Zeit regeln wird. Ein RFID-Blocker wurde schließlich schon im vergangenen Jahr von RSA-Security angedacht. Bei den WM-Tickets ist die Sache viel schwieriger: Datenschutz hin oder her - die Wahrscheinlichkeit, dass ich eins bekomme, ist einfach viel zu gering!

Autor: Monika Gatzke

Quelle: Ecin, 08.02.2005

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