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Samstag, 5.04.2025
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Für all jene, die sich wegen der vielen Diskussionen über die schöne neue Überwachungswelt in den Medien fragen, wo das Positive bleibt, präsentierte RFID-Papst Elgar Fleisch heute auf dem Fachkongress Omnicard in Berlin die Antworten: Unternehmen werden ihre Prozesse überdenken und neu aufsetzen, sodass die durch Rationalisierung eingesparten Gelder in neue Geschäftsfelder fließen können; die Kunden wiederum dürfen auf verbesserte Dienstleistungen hoffen. Die RFID-Einführung habe bereits den "Point of No Return" überschritten, einen Weg zurück gebe es nicht mehr, meint Fleisch, Professor am Institut für Technologiemanagement der Hochschule St. Gallen und Vorstand der Auto-ID Labs, zum Stand der Dinge.

Die winzigen Funketiketten seien das fehlende Glied in der Kette zur Verknüpfung der virtuellen mit der realen Welt; die automatisierte Erfassung mache das Management feinkörniger und erlaube, bislang nicht Steuerbares nun zu steuern. Und was die Massenanwendungen bei den Endkunden angeht, sieht er die Sorgen um die Privatsphäre in dem Maße schwinden, wie der wahrgenommene Nutzen zunimmt. Als Beispiele führte Fleisch RFID-gezinkte Skatkarten an, dank derer sich die Punkte schneller zählen lassen – "damit kann man auch Spieler trainieren". Oder die RFID-gestützte Ski-Ausleihe: "Wenn der Ski sich selbst identifizieren kann, geht die Ausleihe sehr viel schneller". Zudem würden RFID-Tags im Ski den Diebstahl erschweren. "Ski-Diebstahl ist ein relativ häufiges Delikt", meint der in der Schweiz lehrende Österreicher, oft handele es sich aber auch um "einen Fehlalarm". Denn oftmals sei der Bestohlene selbst der Übeltäter, der es nur auf die Versicherungssumme abgesehen habe. Kämen die gestohlenen RFID-Skis auf eine Blacklist und sperre das Drehkreuz dann den Zugang zum Skilift, gehöre dieses Delikt wohl schnell der Vergangenheit an.

Der Dokumentenmanagement-Spezialist OCé setzt RFIDs bereits im Eventmanagement ein. Nach Angaben von Projektmanager Frank Linit hat das Unternehmen damit bei der Organisation der eigenen Hausmesse die Kosten halbieren können und vermarktet das Identifikationssystem für Veranstaltungen nun extern. OCés Produkt iDS-Event arbeitet mit einem RFID-Aufkleber, den der Veranstalter bereits im Einladungsschreiben verschickt und der dann später anhand der gespeicherten Chip-Nummer gleich als Ticket dient, indem nach erfolgter Anmeldung der Zugang für diese Chip-Nummer einfach freigeschaltet wird. "Die Intelligenz steckt im System und nicht auf dem Ausweis", betonte der OCé-Vertreter. Das Ganze lässt sich mit der Begrüßung des Kongreßteilnehmers in seiner Heimatsprache am Eingang verbinden, weit interessanter dürfte jedoch die Erfassung von Standbesuchern auf Messen und die nachträgliche statistischen Auswertung von Einzelveranstaltungen wie beispielsweise Workshop-Besuchen sein. Mit iDS-Event will OCé jedenfalls die gesamte Prozesskette einer Veranstaltung abdecken. Auf der Omnicard war Linti damit zwar eigentlich an der richtigen Adresse, aber doch nur im Prinzip – hier war die Anmeldung noch ganz klassisch und die Zutrittskontrolle erfolgte ohne RFID.

Autor: (Richard Sietmann) / (pmz/c't)

Quelle: Heise online, 18.01.2006

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