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RFID und kein Ende. Die Chiptechnologie, die nicht nur Waren verfolgen, sondern auch Menschen und Tiere identifizieren kann, wird auch in Österreich gehypt. Nun soll ein RFID-Wettbewerb Anwendungsideen aus dem Mittelstand fördern

RFID ist Teil unseres Alltags, fast niemand weiß das, denn die Radio Frequency Identification (RFID) ist eine Technik, wie man sie sich wünscht: "Effizient, aber unsichtbar", sagt Alois Ferscha, der im Softwarepark Hagenberg am Institut für Pervasive Computing unter anderem Praxisanwendungen von RFID entwickelt. Zum Beispiel für Marathonläufer, deren Zeiten vom Funkchip im Schuh an einen Zentralrechner übermittelt werden.

Hauptsächlich werden Funkchips derzeit aber im Logistikbereich als "intelligente Etiketten" an Handelswaren verwendet, wo sie alle relevanten Informationen liefern - zur Ware selbst (z. B. Material, Inhaltsstoffe) und über alle Stationen von der Herkunft bis zum Bestimmungsort. Zunehmend leistet RFID aber auch an unzähligen anderen Stellen ihre dezenten Dienste, denn brauchen kann man die Funktechnik nicht nur beim Transport von Gegenständen, sondern auch, um Menschen oder Tiere zu identifizieren. Was auch die Aufmerksamkeit von Datenschützern erregt.

Chip in der E-Card

Auch wenn es kaum jemandem bewusst ist: Wahrscheinlich trägt jeder Österreicher mindestens einen der winzigen Funkchips bei sich. RFID steckt nämlich in der E-Card, in den meisten Autoschlüsseln und in jeder Schuhsohle. Mittels E-Card informiert der Chip die Sprechstundenhilfe über Stammdaten der Patienten, bei welcher Krankenkasse sie versichert sind, und automatisiert die Abrechnung und Patientendaten-Verwaltung. RFID im Zündschloss von Autos aktiviert bei unrechtmäßiger Inbetriebnahme die Wegfahrsperre, RFID in der Schuhsohle dient als "Wegtragsperre": Der Chip löst am Ausgang des Schuhgeschäfts Alarm aus, wenn er nicht nach dem Bezahlen durch ein starkes Magnetfeld an der Kassa zerstört wurde. Ab Mitte 2006 werden auch alle neuen Reisepässe als "E-Pass" mit Chip und Miniantenne ausgestellt. Entwickelt hat diese Sicherheitstechnik, die in Deutschland bereits Standard ist, Philips Semiconductors Styria mit Sitz im steirischen Gratkorn. Dort konzentriert sich gerade RFID-Kompetenz: Außer Philips, das in einigen Anwendungsbereichen wie etwa dem kontaktlosen Ticketing bereits Marktführer ist, entwickelt und verfeinert auch RF-iT Solutions von Infineon in der Steiermark RFID-Technik.

"Österreich hat die große Chance, bei RFID die Nase weit vorn zu haben", meint dazu der Forschungsexperte Erich Prem, Geschäftsführer von Eutema Technologie Management. Was auch dem Staat ein Anliegen ist: 400.000 Euro lobt das Wirtschaftsministerium gerade in einem Förderwettbewerb für die Entwicklung von RFID-Anwendungen aus. Vor allem KMUs sollen dadurch angeregt werden, sich konstruktiv mit den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieser Technik auseinander zu setzen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, wie bereits existierende Anwendungen belegen. So erleichtert RFID im Eintrittsticket für Massenveranstaltungen wie Fachmessen, Konzerte oder Sport-Events die Bewältigung der Besucherströme, weil Karten nicht händisch abgerissen werden müssen, sondern der Chip im Ticket per Funk die Schranken öffnet, wie man es vom Skilift kennt. Bei der Fußball-WM 2006 könnten nicht nur die Fans im Stadion mit Funkchips im Ticket ausgerüstet sein, sondern auch die Fußbälle - um eindeutig feststellen zu können, ob der Ball über die elektronisch markierte Torlinie gerollt ist.

Das Chip-Implantat für Bälle ist keine große technische Herausforderung, bei Tieren funktioniert das seit rund 20 Jahren. Der Weg von Nutztieren wird damit von der Geburt bis zum Schlachthof lückenlos dokumentierbar - in Ländern wie Kanada und Spanien ist dieses Tracking schon jetzt gesetzlich vorgeschrieben, EU-weit ab Jänner 2008. Dank obligatem Chip-Implantat können in Wien lebende Hunde leichter wiedergefunden werden, wenn sie sich verlaufen haben, selbst Brieftauben flattern mittlerweile RFID-beringt durch die Lüfte. "Pro Jahr werden zwei Millionen unserer Taubenchips verkauft", zeigt Kurt Bischof, Marketing Manager bei Philips Semiconductors Styria, die Dimensionen dieses Geschäfts. Bis aber auch im Supermarkt an jedem Jogurtbecher ein RFID-Tag klebt, muss die Technik erheblich billiger werden. "Derzeit kostet ein Chips rund zehn Cent, unter Umständen mehr als die Ware, auf der er klebt", sagt Erich Prem.

Billigere Chips

Das könnte sich rasch ändern: Siemens entwickelt derzeit RFID-Chips auf Kunststoffbasis, so genannte flexible polymere Halbleiter, die aufgedruckt werden können - "eine Revolution" sieht der Technologiemanager Erich Prem darin.

Schon jetzt bewegt RFID Massen: Die Chips stecken in elektronischen Fahrscheinen für öffentliche Verkehrsmittel, wie es sie etwa in London, Moskau, Warschau und seit August in Klagenfurt gibt. Funkchips automatisieren das Verleihen von Büchern in der Nationalbibliothek von Singapur, der Wiener Stadtbücherei und der Universitätsbibliothek der TU Graz.

RFID ermöglicht die elektronische Mautabrechnung. Und wer in der Innsbrucker Uniklinik operiert wird, muss keine Angst haben, dass ihm statt des Blinddarms die Mandeln entfernt werden: Jeder Patient ist mit einem RFID-Armband identifizierbar.

Autor: Susanne Rössler

Quelle: ECAustria, 24.10.2005

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