Wie eine elektronische Patientenakte mit Zeitstempeln und Signaturen, mit der Einbettung der verschiedensten Befunde geführt werden kann, wie Ärzte den Datenabgleich ihrer Patientenakte mit der öffentlichen Akte besorgen und wie die geforderte Langzeitspeicherung aller Daten über 30 bis 40 Jahre aussehen mag, war Gegenstand der Vorträge von Lösungsanbietern wie Intercomponentware, Gesakon oder der CompuGroup Health Services. Die Experten machten deutlich, welche Bedeutung der rechtliche Rahmen für die Patientenakte hat. In 30 Jahren müssen heute gespeicherte Dokumente nicht nur lesbar sein, sondern dem Anscheinsbeweis für ihre Echtheit standhalten können -- selbst dann, wenn heute sichere Signatur- und Verschlüsselungsverfahren obsolet wurden. In 30 Jahren muss der Arzt lückenlos dokumentieren können, was er in die elektronische Patientenakte speicherte und was persönliche Notizen waren, die niemals seine Praxis verlassen sollten. Wie knifflig manche Umsetzungen ohne die elektronische Gesundheitskarte heute sind, zeigte Thomas Kleemann vom Klinikum Ingolstadt am Beispiel der Akutaufnahme. Hier unterschreiben Patient und Arzt am Tablett-PC ein PDF mit dem Behandlungsvertrag. In der noch offen diskutierten Frage, welche biometrischen Merkmale auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert sein sollen, forderte Kleemann entsprechend die elektronische Unterschrift statt des bislang angedachten Fingerabrucke.
In einem Sondervortrag stellte Kleemann außerdem die zur CeBIT angekündigte eH.I.P von Microsoft vor. Hintergrund ist hier, dass die Ingolstädter Lösung komplett mit Microsoft-Programmen (SharePoint Portal, BizTalk Server, Infopath) entwickelt wurde. Der von Microsoft zur Verfügung gestellte Vortrag machte deutlich, welch hohen Stellenwert die "Health Integration Platform" für Microsoft und seinen Partner Intel besitzt.
Zur elektronischen Gesundheitskarte und der Reform des Gesundheitswesens siehe auch:
- Österreichische Gesundheitskarte verletzt den Datenschutz von Arbeitslosen
- Entwicklung kann entschleunigt werden
- Österreich beginnt mit der Auslieferung der e-card
- Vom Testlabor zur Testregion
- Bundesrat stimmte zu
- Gematik sieht technische Mängel
- Sektorübergreifendes IT-Handeln gefragt
- Am Anfang ist Halbzeit
- Organspenden ja, Fotos nein
- Heftige Kritik an österreichischer Lösung für die elektronische Gesundheitskarte
- Forderungen an die Lösungsarchitektur
- Lösungsarchitektur übergeben
- Deutsche und österreichische Gesundheitskarte im Vergleich
- GI und VDE fordern eine erweiterte Risikoanalyse
- Die Gesundheitskarte als Universal-ID
- Lösungen für die Gesundheitskarte
- Fraunhofer-Institute legen Spezifikationen für Gesundheitskarte zur CeBIT vor
- Startlöcher in und um Heilbronn
- Ärzte sind skeptisch
- Elektronische Gesundheitskarten auf dem Weg
- Karte ist rechtlich gut abgesichert, aber ...
- Karten-Betriebsgesellschaft gegründet
- Nicht vom Arzt zu eBay
- Elektronische Gesundheitskarte testweise in Rheinland-Pfalz gestartet
- Medica: Die Elektronische Gesundheitskarte ist noch ein Placebo
- Elektronische Gesundheitskarte wird zum Forschungsprojekt
- Im Auge des Sturms
- Risikopatient, Die Gesundheitskarte, ein gigantisches IT-Projekt -- wird es zur "Maut II"?, c't 15/04, S. 94
- Erstes Lösungskonzept vorgestellt
- Kampf dem Chipkartenbetrug
- Gesunder Datenschutz bei der Gesundheitskarte fraglich
- Elektronische Gesundheitskarte soll eine Milliarde einsparen
Autor: (Detlef Borchers) / (jk/c't)
Quelle: Heise online, 17.06.2005
