Die Stadt und Microsoft haben vereinbart, dass die Verwaltung weiterhin mit dem Betriebssystem Windows und Anwenderprogrammen des Softwareriesen arbeitet. Der Vertrag läuft drei Jahre. Für neue Lizenzen und Software zahlt die Stadt jährlich 790 000 Euro. Quasi zeitgleich beschloss Münchens Stadtparlament, von Windows zum freien System Linux zu wechseln. Oberbürgermeisterin Petra Roth, Stadtkämmerer Horst Hemzal und Microsoft-Deutschland-Chef Jürgen Gallmann unterschrieben am Mittwoch im Römer den Rahmenvertrag. Dieser stelle die 1995 begonnene Kooperation zwischen der Stadt und dem Weltmarktführer bei PC-Software auf eine neue Basis. Der Vertrag läuft drei Jahre und bietet die Option der Verlängerung um jeweils ein Jahr.
Gallmann sagte, die Entscheidung mache ihn "froh". Frankfurt könne das auch sein: Die Verwaltung spare Kosten und erhöhe ihre Effizienz. Roth sagte, "mit dieser Unterschrift öffnen wir uns in Richtung E-Government". Bürger könnten zukünftig manche Vorgänge statt auf dem Amt am eigenen PC erledigen.
Der Kämmerer beschrieb den Schritt mit einer Metapher: "Die Stadt ist seit acht Jahren mit Microsoft zusammen, nun haben wir einen Ehevertrag geschlossen." Man werde in jedem der nächsten drei Jahre 790 000 Euro zahlen. Dafür bekomme die Stadt Lizenzen und Software des Microsoft-Betriebssystems Windows XP samt Office-Paket für 4000 Arbeitsplätze und 350 Netzserver, was etwa 180 Euro pro Lizenz und Jahr entspricht. In der Stadtverwaltung gibt es rund 8000 Computer. Um für alle die Lizenzen zu kaufen, habe das Geld nicht gereicht.
Der Vertragsabschluss hat an Brisanz gewonnen, weil sich just am Mittwoch München dafür aussprach, die 14 000 Computerarbeitsplätze der Verwaltung komplett von Windows auf Linux umzustellen. Linux ist ein so genanntes Open-Source-System, das etwa im Internet frei erhältlich ist. An Kosten fallen Dienstleistungen wie Konfiguration und Installation sowie Anwenderprogramme an. Microsoft hat sich sehr bemüht, das Votum der Münchner Stadträte für Linux mit Rabatten bei seinem eigenen Angebot abzublocken.
Microsoft-Manager Gallmann sagte, das Linux-Paket, das München in den nächsten Jahren für rund 30 Millionen Euro installieren will, sei "nicht die wirtschaftlich beste Lösung". Doch Microsoft, dem Kritiker zweifelhafte Geschäftsmethoden und ein Quasi-Monopol vorhalten, wisse, "dass wir nur ein Anbieter sind und im Wettbewerb stehen". Gallmanns Schluss: "Microsoft muss Innovationskraft beweisen."
Kämmerer Hemzal sagte, die Stadt habe geprüft, ob ein Komplettwechsel auf Linux lohne, und erkannt, dass "hohe Folgekosten" entstehen würden. "Ganz ohne Microsoft wäre es nicht gegangen." Erklärtes Ziel des neuen Vertrags sei es, die Arbeitsplätze, die derzeit mit unterschiedlichen System laufen, zu vereinheitlichen. Hemzal: "Jeder PC soll mit jedem anderen kommunizieren können, die Verwaltung reibungsloser werden, der Bürger interaktiv mit der Stadt in Verbindung treten." Im Amt für Informations- und Kommunikationstechnik, bei den eineinhalbjährigen Verhandlungen zum Rahmenvertrag federführend, erachtet man einen Systemwechsel als zu aufwändig. Linux werde zwar schon eingesetzt, sei für die meisten Anwender aber zu kompliziert, Windows dagegen sei allen bekannt. Die Aufregung um Münchens beabsichtigten Wechsel zu Linux habe freilich "unsere Position gestärkt": Microsoft verzichte auf Gebühren bei einem Update des Systems. Das Paket, das man nun gekauft habe, koste "ein Viertel des normalen Preises"; ein Rechtsstreit wegen nicht ordentlich lizenzierter, in der Stadt verwendeter Microsoft-Software sei beigelegt. Somit seien "mehrere Dinge auf einen Schlag bereinigt".
Quelle: Frankfurter Rundschau
