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Der schnelle und vor allem absolut sichere Austausch von behandlungsrelevanten medizinischen Informationen und von Ergebnissen bildgebender Untersuchungsverfahren (wie zum Beispiel Computertomografie und Roentgen) auf elektronischem Wege hat wichtige Vorteile: Er spart Zeit und verbessert die Qualitaet, denn Arztpraxen und Kliniken koennen unabhaengig vom Standort jederzeit eine Expertenmeinung oder ein Zweitgutachten einholen sowie im Rahmen einer integrierten Versorgungskette schnell und guenstig Informationen ueber gemeinsame Patienten austauschen. Nach der Implementationsphase nahm das Bayerische Telemedizinportal Mitte Dezember 2003 den Livebetrieb auf. Diese in Bayern einmalige teils oeffentliche, teils private Portalplattform - getragen vom Klinikum der Universitaet Muenchen und dem Wissenschaftsministerium des Freistaats Bayern - wird zukuenftig die Moeglichkeiten der schnellen und effizienten aerztlichen Kommunikation drastisch erweitern. Als erste Partner starten das Stiftungskrankenhaus Noerdlingen in Kooperation mit dem Klinikum der Universitaet Muenchen den Echtzeitbetrieb.

Zukuenftig bietet das Informationsportal mit der Kurzbezeichnung "TempoBy" den als Teilnehmer registrierten Arztpraxen, Krankenhaeusern und Reha-Kliniken mehrere Moeglichkeiten, den Arbeitsalltag und die Patientenbetreuung zu optimieren. Die Grundfunktion des Portals besteht in der Entgegennahme, Zwischenspeicherung/Archivierung und Weitergabe der Ergebnisse aller denkbaren medizinischen Dokumente und bildgebenden Diagnoseverfahren (CT, MR, Ultraschall, konventionellem Roentgen und dergl.) sowie Herzkatheter-Aufnahmen fuer die angemeldeten Benutzergruppen. Den Austausch der Patientendaten kann zukuenftig das Telemedizinportal rund um die Uhr uebernehmen. Der Auftraggeber erhaelt dann Diagnosen und Konsile der jeweiligen Experten zunaechst des Klinikums der Universitaet Muenchen, zukuenftig ist aber auch ein Datenaustausch zwischen anderen angeschlossenen bayerischen Universitaetsklinika, Krankenhaeusern und Praxen sowie Rehabilitationseinrichtungen moeglich. Auf diesem Wege laesst sich schnell ein Zweitbefund zur Absicherung einer Diagnose einholen oder relevante medizinische Information zur Weiterbehandlung des Patienten austauschen. Es ist aber auch moeglich, einen Erstbefund per Ferndiagnose an anderer Stelle erstellen zu lassen. Denn in laendlichen Regionen oder auch in der Urlaubszeit sind entsprechende Experten rar, die fuer eine sichere Diagnose mit der noetigen Erfahrung und dem aktuellen Wissen aus dem jeweiligen Spezialgebiet ausgestattet sind. Dadurch kann auch manche Patientenfahrt entfallen.

Diese Loesung hat fuer den Nutzer insofern finanzielle Vorteile, als sich durch die Moeglichkeit des Zugriffs auf Expertenwissen sowohl in Arztpraxen als auch in Kliniken Personalkosten einsparen lassen - ohne dass die Behandlungsqualitaet leidet. Auf der anderen Seite werden diejenigen Kliniken, die ihre Expertenkapazitaet fuer andere Kliniken oder Praxen zur Verfuegung stellen, Befunde gegen Entgelt erstellen. Diese Zusammenarbeit nutzt das Potenzial der Telemedizin und kann so zu einer Verbesserung der Patientenversorgung beitragen Die bessere Nutzung vorhandener Ressourcen/Kapazitaeten technischer und personeller Art macht das Gesundheitssystem leistungsfaehiger, schneller und wirtschaftlicher.

Weitere Einsatzmoeglichkeiten des Portals:

Abruf bzw. Export von Patientendaten: Fuer ein Konsil oder bei einer Ueberweisung lassen sich aus dem im Portal eingestellten Bestand von Patientendaten oder Patientenakten sowohl Bilder als auch Texte (z. B. Labordaten) direkt abrufen und zur Begutachtung und Diskussion am PC anzeigen. Der Zugriff erfolgt ueber eine geschuetzte und getunnelte Internetverbindung mit dem den Internetbrowser und die Applikation des Portals. Die Datentransfers im Hintergrund des Portales uebernehmen die in der Telemedizin gaengigen Protokolle HL7 oder DICOM.

Datenbank-Zugriff: Eingetragene Benutzer koennen zentral gespeicherte und anonymisierte medizinische Bilddaten nutzen, z. B. ein Tumorregister, um Referenzdiagnosen zu bekommen bzw. um selbst neue Befunde einzustellen.

Interessenten auch ausserhalb Bayerns erfahren die Bedingungen fuer die Nutzung des Telemedizinportals "TempoBy" vom Portalbetreiber Imaging Service GmbH (ISG). Die technischen Voraussetzungen fuer den Zugriff auf das Telemedizin-Portal beim Anwender sind - neben einem ISDN- oder DSL-Anschluss zur Einwahl in das Internet - ein leistungsfaehiger PC oder Laptop (denn der mobile Zugriff ist auch moeglich) mit einem moeglichst grossen, hochaufloesenden Bildschirm. Als Applikation wird einer der ueblichen Web-Browser eingesetzt.

Das Sicherheitskonzept

Damit an den kritischen Zugangspunkten zum Netz alles vertraulich zugeht, wird bei den Teilnehmer-PCs eine Software-Applikation - der VPN-Client - sowie ein Chipkartenleser installiert. Bei jedem Login in das Extranet-VPN des Portalbetreibers erfolgt eine zweistufige individuelle Authentifizierung nach dem Prinzip "Besitz" und "Wissen": Dazu gehoert einerseits die Chipkarte (mit den darauf gespeicherten digitalen Zertifikaten) und zum anderen die Eingabe einer PIN. Bei der Chipkarte handelt es sich eine sogenannte "SmartCard" mit integriertem Microprozessor (mit spezieller Software) sowie einem zusaetzlichen Kryptoprozessor. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, dass nur persoenlich autorisierte Teilnehmer ueber den speziell zugelassenen PC oder Laptop am Informationsverbund teilnehmen. Der Transport der hoch sensiblen Patientendaten erfolgt ueber das oeffentliche Rechnernetz - das Internet. Weil dieses Netz auf Grund seiner Konzeption fuer vertrauliche Informationen nicht geeignet ist, musste fuer die absolut sichere Uebertragung ein virtuelles privates Netz (VPN) - ein sog. Extranet - innerhalb des Internet geschaffen werden. Zugang haben nur die berechtigten Mitglieder der geschlossenen Benutzergruppe. Die Datenuebertragung erfolgt in verschluesselter Form auf Basis einer Public Key Infrastruktur (PKI).

Public Key Infrastruktur (PKI)

In einer PKI werden fuer die sichere Datenuebertragung sog. Schluessel (Keys) eingesetzt. Das sind nach komplizierten mathematischen Zufallsverfahren ermittelte Zahlen mit mehreren Tausend Stellen. Eingehende Nachrichten werden mit dem auf der Chipkarte gespeicherten privaten (geheimen) Schluessel entschluesselt. Zur Verschluesselung von zu sendenden Nachrichten wird dagegen der oeffentliche Schluessel verwendet, der dem privaten Schluessel einer Person eindeutig zugeordnet ist. Diese Zuordnung wird durch ein auf der Chipkarte gespeichertes elektronisches Zertifikat bestaetigt. Der Empfaenger verschluesselter Nachrichten hinterlegt seinen oeffentlichen Schluessel in einem speziell verwalteten Verzeichnis (Directory). Damit wird jedem Kommunikationsteilnehmer die Moeglichkeit geboten, Nachrichten so zu chiffrieren, dass sie ausschliesslich von dem Besitzer des dazugehoerigen privaten Schluessels wieder dechiffriert werden koennen. Das fuer eine PKI dringend benoetigte Schluessel- und Zertifikatemanagement wird von einer speziellen Organisationseinheit - dem Trust Center - wahrgenommen.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 20.03.2004

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