Ein paar gesparte Minuten hier, eine paar Stunden dort: Durch einen Massnahmenkatalog zur "Vereinfachung des unternehmerischen Alltags", den der Bundesrat heute im Rahmen einer Botschaft an das Parlament veröffentlicht hat, soll die Schweizer Wirtschaft pro Jahr Dutzende von Millionen Franken sparen können. Neben Änderungen wie der vorgeschlagenen Abschaffung oder Vereinfachung von 75 Bewilligungsverfahren oder der Reduktion der Auflagen für KMU im Rahmen der Bestimmungen zur Arbeitssicherheit (ASA-Richtlinien) spielen dabei E-Government-Initiativen eine zentrale Rolle.
In seiner Botschaft kann der Bundesrat in dieser Beziehung einige Fortschritte verkünden. So werden schon nächstes Jahr Hunderttausende von Unternehmen - sofern sie die Möglichkeit wahrnehmen - ihre Lohndaten elektronisch und in einem einzigen Vorgang an alle Behörden (AHV, SUVA, Versicherungen, Kantone, BFS usw.) übermitteln können, statt sie einzeln vorzubereiten und schicken zu müssen.
Das Kernstück dieses E-Gov-Projekts ist der "Distributor", eine Plattform, welche die Lohndaten der Unternehmen in Empfang nimmt und dann an die genannten Behörden verteilt. Dabei muss der "Distributor" sicherstellen, dass die einzelnen Behörden nur jeweils genau die Daten erhalten, die sie für ihre Aufgabe benötigen.
Ende 2006 werden die Daten von rund 1000 Unternehmen in einem Pilotprojekt elektronisch an die SUVA, eine private Versicherung und an das Bundesamt für Statistik übermittelt. 2007 soll der Distributor fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Die grössten Hersteller von Lohnbuchhaltungssoftware werden bis Anfang 2007 zertifiziert werden. Schon heute beträgt gemäss Bundesrat die Bereitschaft der Ämter. Die elektronischen Daten entgegenzunehmen, "gegen 100 Prozent". Noch nicht ganz so weit seien kleinere Privatversicherer und die Steuerämter der kleinen Kantone.
Rechenspiele
Allein durch die vereinfachte Meldung der Lohndaten, schätzt der Bundesrat, könnte jedes Schweizer Unternehmen pro Monat im Schnitt 5 Arbeitsstunden sparen. Bei 300'000 betroffenen Unternehmen läppert sich da einiges zusammen. Eine weitere halbe Stunde pro Monat soll der Formularserver bringen, der ebenfalls 2007 in Betrieb genommen und die Auffindung und Beschaffung von behördlichen Formularen erleichtern soll.
Wieviel der Einsatz der neuen Internet-Technologien bringen kann, zeigt auch die Online-Version des Schweizerischen Handelsamtsblatts (SHAB), die kostenlos abgefragt und deren Meldungen seit diesem jahr durch eine digitale Signatur rechtsverbindlich sind. Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung aus diesem Jahr hat ergeben, dass die Anwender pro Anfrage einsparen können. Bei 40'000 bis 60'000 Anfragen pro Tag errechneten die Prüfer Einsparungen von insgesamt bis zu 12 Millionen Franken pro Jahr.
Autor(en)/Author(s): (Hans Jörg Maron)
Quelle/Source: Inside-it, 08.12.2006
