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Donnerstag, 5.02.2026
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Die Verwaltung stellt ihren Service ins Internet: 31 Dienste sind schon vom Computer aus nutzbar. Bald soll es bis zu 150 Angebote im Netz geben.

Die Ziele sind hoch gesteckt: „Die moderne Verwaltung ist 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag für den Bürger erreichbar“, sagt Lübecks Innensenator Thorsten Geißler (CDU). So soll das Internet-Angebot der Hansestadt in den kommenden Monaten und Jahren kontinuierlich erweitert werden. Nach der Stadtbibliothek in der vorigen Woche werden jetzt auch Dienstleistungen des Standesamtes und des Holzhofes per Mausklick angeboten. „Wir werden auch in anderen Bereichen diesen Service ausbauen“, kündigt Stadtsprecher Matthias Erz an.

Ob und wann das Online-Angebot komplett sein wird, lasse sich aber zeitlich nicht genau eingrenzen. „In zwei bis drei Jahren könnte das Gros im Netz sein. Wir sind auf einem guten Weg und stehen im Vergleich zu vielen anderen Städten nicht schlecht da“, sagt Erz. So seien unter anderem Bewerbungsformulare für Baugrundstücke, Abfragen freier Plätze in Kindertagesstätten, Briefwahlunterlagen oder ein Antrag auf Sperrmüllabholung in der Hansestadt längst online abrufbar. Seit gestern bietet der Holzhof Wesloe sein komplettes Warenangebot auch im Internet an. E-Commerce nennt sich das neudeutsch und lädt so zu manch phantasiereichen Gedankenspielereien ein. „Stellen Sie sich vor, es ist kalt draußen. Sie sitzen gemütlich mit einem Laptop auf den Knien vor dem heimischen Ofen und plötzlich geht das Feuer aus. Holz ist keines mehr im Haus. Ohne sich vom Platz zu bewegen und mit ein paar Klicks im Netz können Sie ab sofort neues Brennholz ordern“, schwärmt Rüdiger Jankó, stellvertretender Bereichsleiter Stadtwald. Unter der Adresse www.luebeck.de oder http://shop.luebeck.de kann beim Holzhof rund um die Uhr eingekauft werden – vom Brennholz und Rundpfahl über die Gartenbank bis hin zum Rindenmulch. "Wir freuen uns aber nach wie vor über jeden, der bei uns persönlich vorbeikommt und einkauft“, sagt Holzhof-Leiter Kai Neumann.

Online heiraten geht leider noch nicht – und ist auch nicht geplant. Dennoch will das Standesamt einen Großteil seiner Leistungen im Netz verfügbar machen. Bereits jetzt können Bürger auf der Internet-Seite http://standesamt.luebeck.de gegen eine Gebühr Heirats-, Geburts-, Sterbeurkunden oder Familienbuchabschriften anfordern. „Anders als bei den meisten Verwaltungen, die E-Government betreiben“, sagt Innensenator Thorsten Geißler, „stellen wir nicht einfach nur Formulare ins Netz. Die Daten, die der Nutzer zu Hause eingibt, fließen direkt in das System und müssen nicht noch von den Mitarbeitern eingetippt werden.“

Weitere Online-Angebote des Standesamts seien bereits in Planung. Zum Beispiel sollen Paare bald die Möglichkeit bekommen, ihre Hochzeit im Internet anzumelden. „Dieses Programm gibt es bereits. Es wurde schon getestet“, sagt Standesamt-Chefin Regina Teege. Problematisch seien allerdings die sehr umfangreichen und komplizierten Angaben, die bei einem Antrag anzugeben sind. „Für den Laien ist das zum Teil nur sehr schwer nachvollziehbar“, so Teege. „Der Testlauf hat nur Ärger verursacht.“ Wie das System kundenfreundlicher gestaltet werden kann, darüber soll in den kommenden Wochen nachgedacht werden.

Auf die Frage, ob E-Government und E-Commerce mittelfristig Arbeitsplätze in der Verwaltung kosten würden, ging der Innensenator indes nur vage ein: „Der Personalabbau ist zwingend, wenn wir diesen Schritt zur modernen Verwaltung nicht machen“, so Geißler. „Die Ressourcen, die durch die verstärkte Nutzung des Internets frei werden, können wir unter Umständen an anderer Stelle sinnvoller einsetzen.“ Laut Stadtsprecher Erz wird das nächste städtische Online-Angebot die Bauverwaltung betreffen. „Bauvoranfragen, Genehmigungen oder auch Bauanträge können dann via Internet erledigt werden“, so Erz.

Autor: S. Prey und O. Vogt

Quelle: Lübecker Nachrichten, 26.11.2005

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