Die Ziele sind hoch gesteckt: „Die moderne Verwaltung ist 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag für den Bürger erreichbar“, sagt Lübecks Innensenator Thorsten Geißler (CDU). So soll das Internet-Angebot der Hansestadt in den kommenden Monaten und Jahren kontinuierlich erweitert werden. Nach der Stadtbibliothek in der vorigen Woche werden jetzt auch Dienstleistungen des Standesamtes und des Holzhofes per Mausklick angeboten. „Wir werden auch in anderen Bereichen diesen Service ausbauen“, kündigt Stadtsprecher Matthias Erz an.
Online heiraten geht leider noch nicht – und ist auch nicht geplant. Dennoch will das Standesamt einen Großteil seiner Leistungen im Netz verfügbar machen. Bereits jetzt können Bürger auf der Internet-Seite http://standesamt.luebeck.de gegen eine Gebühr Heirats-, Geburts-, Sterbeurkunden oder Familienbuchabschriften anfordern. „Anders als bei den meisten Verwaltungen, die E-Government betreiben“, sagt Innensenator Thorsten Geißler, „stellen wir nicht einfach nur Formulare ins Netz. Die Daten, die der Nutzer zu Hause eingibt, fließen direkt in das System und müssen nicht noch von den Mitarbeitern eingetippt werden.“
Weitere Online-Angebote des Standesamts seien bereits in Planung. Zum Beispiel sollen Paare bald die Möglichkeit bekommen, ihre Hochzeit im Internet anzumelden. „Dieses Programm gibt es bereits. Es wurde schon getestet“, sagt Standesamt-Chefin Regina Teege. Problematisch seien allerdings die sehr umfangreichen und komplizierten Angaben, die bei einem Antrag anzugeben sind. „Für den Laien ist das zum Teil nur sehr schwer nachvollziehbar“, so Teege. „Der Testlauf hat nur Ärger verursacht.“ Wie das System kundenfreundlicher gestaltet werden kann, darüber soll in den kommenden Wochen nachgedacht werden.
Auf die Frage, ob E-Government und E-Commerce mittelfristig Arbeitsplätze in der Verwaltung kosten würden, ging der Innensenator indes nur vage ein: „Der Personalabbau ist zwingend, wenn wir diesen Schritt zur modernen Verwaltung nicht machen“, so Geißler. „Die Ressourcen, die durch die verstärkte Nutzung des Internets frei werden, können wir unter Umständen an anderer Stelle sinnvoller einsetzen.“ Laut Stadtsprecher Erz wird das nächste städtische Online-Angebot die Bauverwaltung betreffen. „Bauvoranfragen, Genehmigungen oder auch Bauanträge können dann via Internet erledigt werden“, so Erz.
Autor: S. Prey und O. Vogt
Quelle: Lübecker Nachrichten, 26.11.2005
