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Samstag, 11.04.2026
Transforming Government since 2001
Das E-Government-Projekt für elektronische Identifizierung und Signatur ist laut Arge Daten gescheitert.  Statt prognostizierter 200.000 Anwender, besitzen nur 44.000 Österreicher eine Bürgerkarte.

Seit über zwei Jahren läuft das Projekt der Bürgerkarte. Ziel des im Rahmen des E-Government-Gesetzes gestarteten Projekts war es, dass jeder Österreicher eine Bürgerkarte erhalten sollte mit der elektronische Amtswege durchgeführt werden können. Getan hat sich bislang jedoch nicht sehr viel, wie die Arge Daten kritisiert. Das Projekt werde zu Lasten der Steuerzahler künstlich am Leben gehalten.

Anbieter

Bei der Bürgerkarte handelt es sich nicht um eine spezielle Karte, die für alle Bürger gleich ist. Es gibt verschiedene Anbieter, die derartige Karten oder Funktionen bereitstellen. Allen gemeinsam sind die Anforderungen nach Identifikation und Signatur. Damit sollen Amtswege elektronische erledigt werden können, beispielsweise das Einreichen der Steuererklärung via Internet. Benötigt wird neben einer Karte auch ein Lesegerät für den PC und die Software. Derzeit gibt es etwa die A.Sign.Premium des  Zertifizierungsanbieters A-Trust, die Sozialversicherungskarte E-Card, Studentenkarten (WU), Bankomatkarten und Dienstausweise für Ministerien. A1 bietet zudem eine Handy-Signatur an.

44.000 Nutzer statt 200.000

2004 waren knapp 30.000 Personen im Besitz der "sicheren elektronischen Signatur". Die A-Trust beklagte damals angesichts der geringen Zahl das Fehlen sinnvoller Anwendungen. Heute ist die Zahl auf rund 44.000 Nutzer angestiegen. Gerechnet hatte man mit deutlich mehr Usern, so hatte man für 2005 rund 200.000 Anwender prognostiziert.

Irreführende Zahlen

Die veröffentlichten Zahlen seien allerdings irreführend. Alleine 10.000 ausgegebene Karten würden auf Finanzbeamte, weitere 10.000 auf WU-Studenten fallen, die in einer Marketingaktion die Karten sehr kostengünstig erhalten. Mehr als 500 Karten wurden den Mitarbeitern der WKO, als Gesellschafter der A-Trust, ausgegeben. Etwa 12.000 Personen haben die Bürgerkarten zudem auf ihrer Bankomatkarte installiert.

Funktion auf der E-Card

Auch die Bürgerkartenfunktion auf der E-Card, die im Gegensatz zum A-Trust-Produkt kostenlos ausgegeben wird, könne nur auf 8.000 Testpersonen verweisen. Ursprünglich war man von 50.000 Nutzern im Laufe des Jahres 2006 ausgegangen. Daneben besäßen viele Bankomat-Bürgerkartenbesitzer auch die E-Card-Bürgerkarte. Insgesamt kommt Arge Daten hier auf 15.000 Personen.

Projektziel nicht erreicht

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger, die Aufsichtsbehörde und das Gesundheitsministerium müssen bei Nichterreichen von Projektzielen entsprechende Maßnahmen setzen. Das schreibe das "Balanced Score Card"-System vor, zu dem der Hauptverband gesetzlich verpflichtet wurde. 8.000 statt 50.000 Bürgerkarten sprechen für die Arge Daten deutlich für das Nichterreichen des Projektziels.

Laut Arge Daten verschlinge das Projekt eine hohe Summe an Steuergeldern. Wie hoch die Kosten für das Projekt tatsächlich sind, konnte der Verband nicht eruieren. Auskunft über Umfang und Status des Projekts wollte man im Bundeskanzleramt nicht geben.

Neue Verordnung für Signaturschlüssel

Zudem würden Nutzern mit Bankomatkarten nun weitere Unannehmlichkeiten drohen. Für Ende 2007 habe die RTR festgestellt, dass die Signaturschlüssel bis 1024bit nicht mehr als sicher anzusehen sind. Während andere Zertifizierungsdiensteanbieter auf längere Schlüssel umgestiegen seien, würden die A-Trust-Funktionen auf den Bankomatkarten weiterhin auf 1024bit ausgegeben. Spätestens Ende nächsten Jahres müssten also alle Bankomatkarten umgetauscht die Neuausstellung der Bürgerkarte wiederholt werden.

Autor(en)/Author(s): (br)

Quelle/Source: Telekom-Presse, 05.10.2006

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