Total vernetzt präsentiert sich seit dem 1. August das Straßenverkehrsamt des Rhein-Kreises Neuss. In Kooperation mit der Kommunalen Datenverarbeitungszentrale Neuss (KDVZ) koordiniert das Amt nun die Computerprogramme von 13 Kfz-Zulassungsstellen im Rhein-Ruhr-Gebiet. 3,1 Millionen Autos wird die Software mit dem selbstbewussten Namen OK.Vorfahrt verwalten. Es gilt das Prinzip Arbeitsteilung. Jede Gebietskörperschaft habe eine Spezialaufgabe übernommen, erklärte Peter Söhngen, Verbandsvorsteher der KDVZ und erster Beigeordneter der Stadt Neuss. Die Quirinusstadt hat sich des Verkehrswesens angenommen. Einer der Gründe für die Umstellung war, dass die einzelnen Behörden dem Datenwust schlicht nicht mehr Herr werden konnten.
Eine Vor-Ort-Regelung war nicht mehr möglich, so Söhngen. Jetzt laufen allen Anträge über einen Tisch. Der Vorteil: Wenn früher ein Neusser in München seinen Wagen umgemeldet hat, dauerte es in der Regel acht bis zehn Tage bis die Information in Neuss durchgesickert war - mit Folgen: Das Finanzamt wurde später informiert, die Versicherungen mussten mit der Zeitverzögerung leben. Jetzt werden die Daten via Intranet ausgetauscht - in Sekundenschnelle.
Dr. Bodo Karnbach, KDVZ-Geschäftsführer, nennt zwei Gründe für den Wechsel: Den massiven Kostendruck und die immer komplexer werdende IT. Harald Zillikens, Leiter Informations- und Kommunikationstechnologie des Rhein-Kreises Neuss, ergänzt den Katalog der Vorteile.
Statt auf Mikrofilmen - wie in der Vergangenheit - wird ein elektronisches Archiv die Daten speichern. Auch wurden die Vordrucke abgeschafft. Sie sind nicht mehr notwendig, ab sofort kann mit blankem DIN-A4-Papier gearbeitet werden - außer bei den Fahzeugbescheinigungen.
Die Wirkung strahle sowohl nach außen als auch nach innen, so Zillikens. Einen freut die Umstellung wohl ganz besonders: Klaus Schirm, Leiter des Straßenverkehrsamtes. Die Bearbeitungsdauer und somit die Wartezeit für den Kunden verkürzt sich.
Schirm spricht von praktiziertem eGovernment. Neben dem sichtbaren Service liefen viele Aktionen im Hintergrund. Jeden Tag gebe es einen Datenausgleich. Das heißt allerdings auch, dass die Punkte gleich am nächsten Tag auf dem Bildschirm in Flensburg aufflackern.
Mit dieser interkommunalen Zusammenarbeit können wir das Potenzial wirtschaftlicher IT-Nutzung voll ausschöpfen, erklärte Landrat Dieter Patt. Mit im Boot der IT-Kooperation (ITK) Rhein/Ruhr sitzen die Städte Bochum, Dortmund, Duisburg, Mönchengladbach, Düsseldorf und die beiden Datenzentralen KDVZ Neuss und KRZN in Moers.
Parallel dazu bastelt der KDVZ bereits an seinem nächsten Projekt. Zusammen mit der Stadt Mönchengladbach soll ein Kompetenz-Zentrum für das Sozial- und Jugendwesen geschaffen werden - der Pilotbetrieb läuft bereits.
Autor: Jens Krüger
Quelle: Neuß-Grevenbroicher Zeitung, 23.08.2005
