Österreich als Vorbild
Das E-Knöllchen ist ein Beispiel dafür, wie der Staat durch den Einsatz von IT-Lösungen Geld sparen kann. Durch die elektronische Bearbeitung bekommen Verkehrssünder für falsches Parken, Rasen oder für das Fahren trotz roter Ampel viel schneller Post von der Bußgeldstelle. Die Stadt verspricht sich neben zügiger fließenden Einnahmen geringere Personal- und Bearbeitungskosten. Zwar werden Falschparker auch in Zukunft ein Ticket an der Windschutzscheibe finden. Aber der Bearbeitungsweg läuft ohne Papier. Die Akte wird elektronisch geführt - das spart Zeit.
Die Frage nach dem Ausbau der elektronischen Verwaltung ist laut Frischmuth schon längst keine Technik-Frage mehr. "Obwohl es viele gute Ansätze gibt, fehlt es oft noch an der politischen Bereitschaft", beobachtet er. Dabei seien die Bürger bereits weiter als die Politiker. "Die Menschen sind bereit für mehr Innovation", sagt der Experte. Beispiele dafür aus anderen Ländern gebe es schon genug. Vor allem viele Beitrittsländer der EU hätten Stadien der Entwicklung einfach übersprungen und seien nun sehr modern aufgestellt.
Ein Vorbild für Deutschland ist seiner Ansicht nach aber auch Österreich. Die Alpenrepublik zeige weniger Scheu beim Einsatz elektronischer Lösungen in der öffentlichen Verwaltung. In Wien hat SBS bereits eine elektonische Anwendung auf dem Markt, die den Autofahrern E-Knöllchen ersparen hilft. Das so genannte M-Parking. Dabei kann der Pkw-Besitzer mit einer SMS von seiem Handy aus einen abgelaufenen Parkschein verlängern. Gibt die Politesse das Kennzeichen in ihr Registriergerät ein, erhält sie die Nachricht, dass die Gebühr bezahlt wurde. Für die Nutzer ist das bequem, sie müssen nicht aus Besprechungen, Cafés oder Wartezimmern zu ihrem Auto hetzen, um einen neuen Parkschein zu lösen.
SBS setzt nicht uneigenützig auf E-Government. Das Unternehmen hofft, mit Hilfe vermehrte Aufträge der öffentlichen Hand die Ziele des Mutterkonzerns Siemens erreichen zu können. Vorgabe war ursprünglich, dass SBS bis Ende September dieses Jahres eine Rendite von mindestens fünf Prozent erwirtschaften solle. Diese Marke bestehe zwar immer noch, sagt Frischmuth, ist aber "nicht mehr an einen konkreten Zeitpunkt gebunden".
Höhere Rendite-Vorgaben
Das Geschäft lief im vergangenen Jahr nicht gut. 2003 schrumpfte der Umsatz um zehn Prozent. Grund war laut Frischmuth die schlechte Geschäftslage. Die Aufträge brachen um 16 Prozent ein. Derzeit beträgt der Umsatz im öffentlichen Sektor 21 Prozent und ist halb so hoch, wie der der Industrie mit 40 Prozent. "Wir haben im ersten Quartal eine Rendite von 3,7 Prozent erwirtschaftet", sagte Frischmuth. "Die fünf Prozent sind der nächste Schritt, den wir so schnell wie möglich erreichen wollen."
Der Fokus auf die staatlichen Auftraggeber gehört zur Wachstumsstrategie von SBS. Schwerpunkt wird aber auch weiterhin das Geschäft mit IT-Outsourcing bleiben. Das umfasst den gesamten Bereich von der Entwicklung spezieller Programme bis zur Wartung der IT-Systeme von Kunden.
Außerdem will das Unternehmen seine Kosten senken. "Die eingeleiteten Sparmaßnahmen fangen an zu greifen", sagt Frischmuth. Das Ergebnis soll in Zukunft durch noch weiter schrumpfende Kosten verbessert werden.
Quelle: Berliner Zeitung, 20.02.2004
