Wie "G+G", das Magazin der öffentlichen Allgemeinen Ortskrankenkassen [AOK] am Dienstag in seiner aktuellen Ausgabe berichtete, dürften die Kosten die Prognose der Bundesregierung deutlich übertreffen. Das Magazin beruft sich dabei auf eine von der Betreibergesellschaft gematik in Auftrag gegebene Kosten-Nutzen-Analyse.
Hoher Aufwand ...
Die Autoren der Expertise erwarten danach Kosten von rund 5,2 Milliarden Euro für Investitionen und Betrieb in den ersten fünf Jahren. Das Bundesgesundheitsministerium hat für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte 1,4 Milliarden Euro veranschlagt.
Der Nutzen der Funktionen der Gesundheitskarte wird sich nach der vom AOK-Bundesverband zitierten Expertise erst langfristig zeigen. Auf kurze Sicht seien alle Anwendungen "defizitär". Das sind in den ersten fünf Jahren die Datenverarbeitungsdienste für Versichertenstammdaten und elektronische Rezepte, die europäische Krankenversichertenkarte sowie freiwillige Anwendungen wie Notfalldaten, die auf Wunsch des Patienten auf der Karte gespeichert werden können.
... und langfristige Perspektiven
Dem erwarteten Aufwand von 5,2 Milliarden stehen laut der Analyse finanzielle Vorteile in Höhe von knapp 4,4 Milliarden Euro gegenüber, die sich vor allem durch die verbesserten Abläufe ergeben. Erst in der Zehn-Jahres-Perspektive, wenn weitere freiwillige Anwendungen wie der elektronische Arztbrief oder die elektronische Patientenakte hinzukommen, zahle sich die Gesundheitskarte aus. Dann könnte den Kosten ein finanzieller Nutzen von mindestens 14,1 Milliarden Euro gegenüberstehen.
Das Gesundheitsministerium beurteilt die Kosten-Nutzen-Analyse laut dem Magazin kritisch. Sie sei nicht als "abschließende Planungsgrundlage" zu bewerten, da die Berechnungen nicht auf realistischen Annahmen basierten. Das Ministerium wolle die Analyse jetzt überarbeiten, um damit zu "belastbaren Aussagen" zu kommen.
Der großangelegte Testlauf für die elektronische Gesundheitskarte hatte im Dezember nach jahrelangen Vorbereitungen begonnen. Erste Funktionen der neuen elektronischen Gesundheitskarte werden derzeit im norddeutschen Flensburg und im sächsischen Landkreis Löbau-Zittau getestet.
Österreich will - so wie andere europäische Staaten und die USA auch - in den kommenden Jahren die lebensbegleitende Elektronische Gesundheitsakte [ELGA] einführen. Die technischen und rechtlichen Anforderungen sind jedoch enorm hoch.
Patientenvertreter und die Wiener Ärztekammer haben jüngst ihre Bedenken gegen die wachsende Zahl an elektronisch gespeicherten Gesundheitsdaten geäußert.
Autor(en)/Author(s): [dpa | futurezone]
Quelle/Source: futureZone, 20.02.2007
