Das Schweizer Gesundheitssystem ist nicht eben für seine Effizienz bekannt. Rund 50 Milliarden Franken werden hierzulande pro Jahr für die Gesundheit ausgegeben und die Kosten steigen fortlaufend an. Mit immer neuen Massnahmen wird versucht, die Kosten in den Griff zu bekommen, wobei beispielsweise tranzparenzschaffende elektronische Krankenakten seit Jahren im Gespräch sind, ohne dass es wirklich vorangeht.
In Indien liegen die Probleme anderswo: Geld ist knapp und insbesondere in ländlichen Gebieten leben die Menschen von der Hand in den Mund. Obwohl sich die Zahlen kaum vergleichen lassen, geben sie doch einen Hinweis: Der indische Bundesstaat Andhra Pradesh mit 80 Millionen Einwohnern verfügt über ein Gesundheitsbudget von rund einer Milliarde Dollar. Mit einer solch schmalen Brieftasche kommt man um Effizienz nicht herum, will man sämtlichen Einwohnern eine medizinische Grundversorgung zukommen lassen. Die vom Gründer des indischen IT-Dienstleisters Satyam unterstützte Non-Profit-Organisation Health Management & Research Institute (HMRI) versucht es mit ausgeklügelter IT-Technologie.
Zu teuer, zu weit weg
Vom Bundesstaat erhält HMRI rund 100 Millionen Dollar pro Jahr, das Management und die IT-Infrastruktur wird von der Satyam Foundation übernommen. Damit wird auch das Problem der in indischen Amtsstuben grassierenden Korruption umgangen. «Wir setzen die Mittel viel effizienter ein, als dies der Bundesstaat tun könnte», gibt sich Venu Madhav Chennupati, Head Alliances & Partnerships bei HMRI im Gespräch mit IT Reseller überzeugt. Tatsächlich soll das im August 2007 lancierte Programm bis Ende 2008 sämtlichen Einwohnern Andhra Pradeshs zugänglich sein.
Zuvor gab es in den ländlichen Gebieten Indiens, wo nach wie vor 700 Millionen Inderinnen und Inder leben, viele Missstände. Die Leute konnten sich die medizinische Versorgung nicht leisten, wussten nicht Bescheid über ihre Rechte oder wohnten schlicht zu weit weg von Gesundheitseinrichtungen. «95 Prozent der Bewohner ländlicher Gebiete leben mehr als drei Kilometer entfernt», so Chennupati. Das ist die kritische Distanz. Personen ausserhalb dieses Radiusses suchen einen Arzt entweder gar nicht auf, oder erst, wenn es schon fast zu spät ist. In Indien kann man nicht eben in den nächsten Bus steigen und Leute, die teilweise von gerademal einem Dollar pro Tag leben, können sich den Arbeitsausfall nicht leisten.
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Quelle/Source: IT Reseller Online, 20.10.2008
