"Unser Gesundheitswesen steht vor weitreichenden Veränderungen und Herausforderungen. Die Telematik kann einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung leisten. Für mich steht dabei eindeutig die Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung im Vordergrund. Hinzu kommen Effektivität und Effizienz", betonte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bei der Entgegennahme der Telematik-Vorschläge von vier Verbänden der Informations- und Kommunikationsbranche am 2. Juni 2003.
Die Ministerin betonte, Deutschland benötige innovative Lösungen, die die Entwicklung zu einer digitalisierten und damit leistungsfähigeren Kommunikation anstoßen. Eine solche verbesserte Kommunikation sei auch Voraussetzung für die integrierte Versorgung, die die Bundesregierung mit der Gesundheitsreform weiterentwickeln werde. Dies würde gleichzeitig Vorteile bei der Umsetzung der Disease-Management-Programme bringen. Die elektronische Gesundheitskarte, eingebettet in eine entsprechende Telematikstruktur, könne die Kommunikation entscheidend verbessern.
Zeitplan für die Umsetzung
Die Ministerin teilte mit, die Bundesregierung arbeite intensiv daran, dass die für die Telematik notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen bald stehen. Der Zeitplan dafür sieht vor,
- spätestens bis zum 1. Januar 2006 die elektronische Gesundheitskarte, die fester Bestandteil der Gesundheitsreform sein soll, einzuführen,
- in diesem Jahr die konzeptionellen Vorarbeiten für die Karte selbst und für die erforderliche Telematikarchitektur und - infrastruktur zu leisten,
- im Jahr 2004 die Testphase zu starten; dabei werden vorrangige Anwendungen ebenso getestet und evaluiert wie ausgewählte Vernetzungen von Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Reha-Einrichtungen und Krankenkassen.
Bestehende Projekte miteinander verzahnen
Die Länder seien wichtige Kooperationspartner. Sie hätten - in Ergänzung zu den Aktivitäten der Bundesärztekammer - eine Projektgruppe zu elektronischen Heilberufsausweisen (HPCs) gegründet. Dies sei zu begrüßen. Ziel sei es, alle bestehenden Projekte eng miteinander zu verzahnen. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse seien dabei ein wichtiger Baustein. Die Ministerin teilte mit, es würde bereits gemeinsam mit Industrie und Selbstverwaltung eine international besetzte Expertenkonferenz organisiert, um diese Ergebnisse in notwendige Entscheidungsschritte zu überführen. Unterstützung erführen all diese Aktivitäten auch durch die neu eingerichtete Lenkungsgruppe "Informations- und Kommunikationstechnologie im Gesundheitswesen" der Initiative D 21; hier müsse man zu einer intensiven Zusammenarbeit kommen.
Nachhaltige Folgeeffekte zu erwarten
Die Bundesregierung erwartet aus der Einführung der Telematik im Gesundheitswesen nachhaltige Folgeeffekte. An erster Stelle steht eine bessere Qualiltät der Versorgung, zum Beispiel durch eine größere Verordnungssicherheit und die Stärkung der Patientenautonomie. Weiterhin werden durch mehr Transparenz Mehrfachuntersuchungen vermieden und damit auch mehr Kosteneffizienz erreicht. Nicht zuletzt ist durch die Folgeanwendungen ein erheblicher Investitionsschub für die Informations- und Kommunikationsindustrie zu erwarten.
Industrie hält Einführung bis 2006 für machbar
Bei der Übergabe der Telematik-Extertise an die Ministerin bezeichnete der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e. V. (BDI), v. Ludolf Wartenberg, die Telematik als einen Schlüssel zur Modernisierung des Gesundheitswesens und damit Kernelement der anstehenden Gesundheitsreform. Die Einführung einer Telematik-Architektur, die von der Bundesregierung angekündigte elektronische Gesundheitskarte und eine elektronischen Patientenkarte sei mit all ihren Anwendungen wie dem elektronischen Rezept bis zum Jahr 2006 möglich.
Quelle: Regierung online
