Die Stadt Mannheim migriert ihre Computer auf Linux. Ausgelöst durch Empfehlungen der EU wurde mit den Servern bereits begonnen, die Systeme der Mitarbeiter folgen zum Schluss. Insgesamt stehen so 110 Server und 3.700 PCs vor der Umstellung auf das freie Betriebssystem. Der Auslöser für die Migration waren Empfehlungen des Bundesministeriums des Inneren und der Europäischen Union, im öffentlichen Bereich verstärkt auf Open Source zu setzen. Nun ist die Umstellung bereits im vollen Gange: Begonnen wurde mit den 110 Servern der Stadt. Dabei stand am Anfang die Suche nach einer umfassenden Kommunikationslösung für das Versenden von E-Mails und die Synchronisation von Pocket-PCs, Palms und Blackberry-Geräten. Die Stadt entschied sich für die Oracle Collaboration Suite, bei der die Anwender weiterhin mit Microsoft Outlook arbeiten können, bei Bedarf aber jederzeit auf Alternativen umgeschwenkt werden kann.
Im zweiten Schritt sollen alle Anmelde-, Datei- und Druckdienste über Linux-Systeme abgewickelt werden. Die insgesamt 1.100 Netzwerkdrucker werden dann über einen zentralen Druckserver verwaltet. Bereits abgeschlossen wurde die Migration des Internetauftritts der Stadt Mannheim.
Von einer "sanften Migration" wird deshalb gesprochen, da der Umstieg auf Linux nicht in einem Schritt erledigt wird. Nachdem die 110 Server mit Linux laufen, steht die Migration von 150 Fachanwendungen an, erst im letzten Schritt folgen die 3.700 Windows-PCs der Mitarbeiter. Nach Angaben der Stadt spare dieses Vorgehen nicht nur Schulungsaufwand, sondern sorge auch dafür, dass die Mitarbeiter den Veränderungen positiv gegenüberstehen und sich nicht überfordert fühlen.
"Natürlich erwarten wir von dieser Migration auch langfristig eine deutliche Kostenreduktion, schon alleine bei den Softwarelizenzen. Wir wollen aber vor allem unsere Wahlfreiheit bei den technischen Angeboten sicherstellen und unsere IT sicherer machen", erläutert Gerd Armbruster vom Fachbereich IT die Entscheidung. Der Prozess wurde noch dadurch beschleunigt, da Microsoft Windows NT seit Ende 2004 nicht mehr unterstützt und so ohnehin eine Neuinvestition notwendig war.
Nach eigenen Angaben ist Mannheim die erste Großstadt in Deutschland, die sich für diesen Schritt entschied. Die österreichische Hauptstadt Wien hatte zuvor schon eine "sanfte Migration" in Angriff genommen; die bayrische Landeshauptstadt München plant bis Ende 2008 eine Umstellung auf Linux.
Autor: (js)
Quelle: Golem, 11.10.2005
