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Sonntag, 24.05.2026
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Das Internet ist auf dem Vormarsch in den Alltag vieler Bundesbürger. Die "Onliner" nutzen das Internet für zahlreiche Aktivitäten von der Kommunikation per E-Mail über die Nachrichtenrecherche bis zur Reisebuchung. Und mit der differenzierten Nutzung des Internet verändern sich auch alltägliche (Medien-)Gewohnheiten. Schon heute sehen Onliner beispielsweise weniger fern als jene, die über keinen Internetanschluss verfügen. Auch nutzen die Onliner mehrere Medien gleichzeitig. Dies gilt vor allem für die Jugendlichen. Das geht aus der heute in Düsseldorf vorgestellte Studie "Internet 2002: Deutschland und die digitale Welt" hervor, die in Kooperation der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) mit dem Europäischen Medieninstitut (EIM) und dem Europäischen Zentrum für Medienkompetenz (ECMC) durchgeführt wurde. Wahr ist aber ebenso, dass diese Art von Informationsgesellschaft für über die Hälfte der Menschen in Deutschland und Nordrhein-Westfalen noch keine Realität ist. Sie bleibt offline. Die "Offliner" erklären das mit dem nicht erkennbaren persönlichen Nutzen des Internet, den zu hohen Kosten und der zu schwierigen Bedienbarkeit von Geräten und Programmen.

Die Kommunikation per E-Mail ist in Deutschland und international führend bei der Internetnutzung. 73 Prozent der Onliner in Deutschland erhalten oder schreiben häufig E-Mails – privat und im Beruf. Nutzer in den USA, Japan, China oder Singapur nennen das Schreiben von E-Mail bzw. Instant Messaging ebenfalls als zentralen Mehrwert des Internet. Allerdings: Auch ohne E-Mail klappt die Verständigung: Nur acht Prozent der Offliner sagen, sie seien schon einmal auf schwere Erreichbarkeit angesprochen worden, weil sie nicht über eine E-Mail-Adresse verfügen.

Einkommensschwache und Ältere vor allem offline

Rund 54 Prozent in Deutschland und NRW nutzen das Internet nicht. Vor dem Hintergrund, dass die Kompetenz zum Umgang mit Computer und Internet zunehmend auf eine Stufe gestellt wird mit den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen, gilt diese "digitale Teilung" der Gesellschaft als problematisch. Gernot Gehrke, Geschäftsführer des ecmc: "Das Internet verfügt nicht über das Potenzial, schichtspezifische Ungleichheiten zu revidieren. Es verstärkt sie im Gegenteil weiter. Um das zu ändern, müssen wir insbesondere die Menschen mit niedrigen Bildungs- und Einkommensniveaus ansprechen, wenn wir uns dem Leitbild vom chancengleichen und diskriminierungsfreien Zugang zu den Anwendungspotenzialen der (Neuen) Medien weiter verpflichtet fühlen."

In NRW sind in der Gruppe derer, die über einen Hauptschulabschluss verfügen, über 70 Prozent offline. Wer nicht berufstätig ist, gehört mit einer Wahrscheinlichkeit von 2:1 zu den Offlinern. Auch in der Gruppe der 14- bis 19-Jährigen bleiben über 45 Prozent offline.

Internet ist kein globales Medium

Weltweit gesehen haben vor allem Menschen in Industrienationen Zugang zum Internet. Die Tatsache, dass englischsprachige Angebote das Internet dominieren, steht der globalen Nutzung außerdem entgegen. In der Mehrzahl der untersuchten Länder dominiert die Nutzung von Webseiten in der landeseigenen Sprache. In Deutschland greifen 54 Prozent der Onliner ausschließlich auf deutschsprachige Websites zu. Wenn Onliner in Deutschland fremdsprachige Seiten nutzen, handelt es sich in 90 Prozent der Fälle um englischsprachige. Noch ausgeprägter ist die "lokal-regionale" Nutzung des Internet in anderen Ländern. In den USA, in China und in Taiwan nutzen 90 Prozent der Befragten nur Seiten in ihrer Muttersprache.

Allein im Netz

Bundesweit gehen 60 Prozent der 14- bis 19-Jährigen online. Das Internet ist bei den Jugendlichen neben dem Fernsehen das wichtigste Medium zur Unterhaltung; beliebt sind vor allem E-Mail, allgemeines Websurfing, der Musik-Download und der Besuch von Chat-rooms. Aber trotz der wachsenden Bedeutung des Mediums für die Jüngeren und der Besorgnis vieler Eltern, dass schädlicher Inhalt Kinder und Jugendliche über das Internet ungefiltert erreicht, surfen 70 Prozent der Kinder in Deutschland unbeaufsichtigt durchs Internet. Jo Groebel, Generaldirektor des EIM: "Zwar fordern Eltern immer wieder, dass Kinder und Jugendliche keinen Zugang zu schädlichen Inhalten bekommen sollten. Die Realität sieht allerdings dramatisch anders aus: Ungehinderter als über jedes andere Medium erreichen riskante Angebote die Haushalte, zugleich geschieht dies für die überwiegende Zahl der Familien unter Ausschluss elterlicher Kontrolle. Hier muss die gesamte Gesellschaft bei der Begleitung des intensiv genutzten Jugendmediums aktiv werden."

LfM-Direktor Norbert Schneider sagte: "Die Förderung von Medienkompetenz, eine der zentralen Aufgaben der Medienanstalten, muss nach wie vor das Ziel haben, der digitalen - übrigens auch der analogen - Spaltung der Gesellschaft entgegen zu wirken. Gleichzeitig müssen Anstrengungen unternommen werden, nationale wie auch international verbindliche Regeln für Inhalte im Internet zu entwickeln."

Quelle: de.internet.com

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